Mit dem Velo durch Kuba2026-02-02T10:14:19+01:00

Mit Bike Adventure Tours durch Kuba

Unser Stammkunde Erich Rutishauser blickt zurück auf seine Kuba-Veloreise im Oktober 2025. Offen erzählt er von den Herausforderungen unterwegs und vom oft schwierigen Alltag der Kubanerinnen und Kubaner. Der besondere Twist: Der Reisebericht ist aus der Perspektive seiner kleinen Stoff-Ente geschrieben – anfangs belächelt, bald fest in der Gruppe integriert. Ein berührender, persönlicher Blick auf Kuba – mit Herz und Augenzwinkern.

Blick auf Havanna
Die Ente mittendrin

Das lange Warten und das lange Sitzen

30. Oktober 2025, 11.20 Uhr

Jetzt sollten wir eigentlich bereits im Flugzeug sitzen und die immerwiederkehrenden Sicherheitsanweisungen über uns ergehen lassen. Stattdessen beobachten wir das Treiben auf dem Flughafengelände.

Die Reiseteilnehmer haben dafür jetzt die Möglichkeit, sich untereinander besser kennenzulernen. Also habe ich schon ein paar Freunde kennengelernt, oder besser gesagt, sie mich. Schliesslich muss ich ja immer und überall die Nase reinstecken, um zu sehen, was wo los ist. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt. Schon nach kurzer Zeit werde ich mit Schokolade beschenkt.

13.00 Uhr

Zwei Stunden später, oder nennt sich das Verspätung? Wie auch immer – wir haben unseren Sitzplatz gefunden und geben ihn bis in Madrid nicht mehr her.

16.00 Uhr

Kaum angekommen in Madrid, war es vorbei mit der Ruhe. Corriendo, corriendo…der Anschlussflug wartet noch auf uns. Ausgerechnet unser Terminal liegt ganz am anderen Ende des Flughafens. Zum Glück haben wir nur noch das Handgepäck dabei. Ach ja, durch den Zoll müssen wir auch nochmals, sowie sämtliche Papiere wie Visa und Gesundheitsbescheinigung vorzeigen – dabei hätten wir es eigentlich sehr eilig. Also wenn das so ist, dann liegt ein kurzer Aufenthalt in der Toilette auch noch in diesem Zeitfenster.

Zwei Stunden vor der Landung

Uff… geht der Flug heute aber lange… Inzwischen hat Erich schon einmal die Uhr umgestellt. Das heisst: Minus fünf Stunden. (Wir wollen ja zur rechten Zeit ankommen.) Es genügt langsam, irgendwann weiss Erich gar nicht mehr, wie er in dem relativ engen Platz sitzen soll. Da habe ich es im Gegensatz zu ihm wohl schon etwas einfacher mit meiner «Grösse».

Es ist Ortszeit 23.30 Uhr

Wir sind im Hotel, aber nicht in dem, welches eigentlich geplant gewesen wäre. Jetzt warten wir auf die Zimmerschlüssel. Das kann vielleicht noch eine Weile dauern. Das ganze Computersystem ist zusammengebrochen. Ja, vielleicht lag es einfach auch nur am Strom. Auf der halbstündigen Hinfahrt zum Hotel war an vielen Orten alles dunkel, schon fast geisterhaft.

Blick auf Havanna
Blick auf Havanna

Morgenstimmung und etwas Kleingeld

Die erste Nacht war nicht ganz so wie geplant, es war bitterkühl. Alle Versuche, die Klimaanlage zu überlisten, liefen ins Leere. Behelfsmässig musste Erichs Jacke ihren Dienst leisten. Erst am Morgen entdeckte er im Schrank eine warme, kuschelige Decke… War wohl doch etwas spät geworden gestern.

Am Morgen früh durften wir auf der 9. Etage mit Blick auf Havanna das Morgenbuffet geniessen. Zu Beginn war alles noch ziemlich dunkel. Nach dem zweiten Kaffee zeigte sich die imposante Stadtkontur.

Zum guten Glück hat Erich grosse Plastiksäcke mitgenommen. Für das viele umgewechselte Geld würde ein normales Portemonnaie wohl nicht reichen. Unser Reiseleiter, Gian Luca, hat für uns vorgängig Kubanische Pesos gewechselt. Nicht auf der Bank, sondern auf der Strasse. Da gibt es einen viel besseren Kurs. Hierfür ist er sogar extra einen Tag früher angereist.

Blick auf Havanna
Ein bisschen Kleingeld

Die erste Fahrrad-Tour im Buena-Vista-Tal

31. Oktober 2025

Wir verlassen Havanna und fahren auf der Autobahn, etwa eine halbe Stunde ins Landesinnere. Ja, auch da gibt es eine Autobahn, und dann ist die erst noch gratis. Das Ganze wirkt recht unkompliziert. Jedermann darf sie benutzen, sei es mit einem Auto, mit dem Fahrrad oder selbst für Ochsen oder Esel sind keine Grenzen gesetzt. Sollte man sich entscheiden, doch in die Gegenrichtung zu fahren, kann das mittels eines U-Turns geregelt werden. Und Achtung: Ohne Vorankündigung gibt es ab und zu einige kleinere oder grössere Löcher zu überwinden. Erichs Wunsch ist natürlich, dass er sich auch einmal mit nur zwei Rädern darauf tummeln darf. Wer weiss…

Aber zuerst müssen wir uns mit dem neuen Fahrrad anfreunden. Wir erhalten ein neues E-Bike. Wow! Erich ist ganz stolz auf den neuen Untersatz. Nach einigen wenigen Handgriffen geht die erste kleine Fahrradtour schon los. Zwischendurch erhalten wir immer wieder viele Informationen über Land und Vegetation. Lange Zeit fahren wir durch ein Gebiet, wo früher Kaffee angebaut worden ist. Fidel Castro hatte dann aber veranlasst, das ganze Gebiet zu renaturieren, sprich Palmenwälder anzupflanzen. Unsere Tour führt uns ins Buena Vista-Tal. Wir sind meistens die einzigen Strassenbenutzer, ganz selten kommt uns ein Auto entgegen. Das liegt aber vor allem auch am Mangel an Diesel und Benzin.

So schön die Gegend auch ist, so sind doch auch einige Tücken vorhanden. Fährt man zu nahe am Strassenrand, besteht die Gefahr, Dornen im Pneu einzufangen. Zweimal mussten wir einen Plattfuss flicken. Es gibt eine Pflanze, welche die Harmonie zwischen Dornen und Pneu nicht so ernst nimmt. Diese Pflanzen wurden einst in Kuba angepflanzt, damit die Sklaven weniger gut flüchten konnten. Unterdessen hat sich diese Pflanze auf der ganzen Insel angesiedelt.
Blick auf Havanna
Kubanischer Bauer mit seinem Ochsengespann

Pflanzen, Autobahn und Zigarren

1. November 2025

Ich habe es nie abgestritten, dass ich eine sehr gwundrige Stine bin. Deshalb habe ich heute früh am Morgen unseren heimlichen Zimmergast entdeckt. Allerdings wollte der nicht viel von mir wissen und verkroch sich gleich wieder hinter, oder besser gesagt, unter die Badezimmerlampe. Soll er doch bleiben, wo er hergekommen ist….

Ganz nah vom Hotel befindet sich ein botanischer Garten, welchen wir gleich nach dem Frühstück aufsuchten. Pflanzenkundlich bin ich überhaupt nicht bewandert, aber ich war total beeindruckt über die grosse Vielfalt an Blumen, Pflanzen und Bäumen, welche hier wachsen.

Danach startete unsere zweite Fahrradtour, welche  durch schöne Naturlandschaften führte, und das fast ohne Verkehr. Manchmal kam uns ein 1-PS-Gefährt, sprich ein vom Pferd gezogener Schubkarren, entgegen. Endlos waren die vielen, auf der ganzen Strasse verteilten Schlaglöcher. Nebenan verläuft die Autobahn, mit definitiv weniger Löcher. Ja, wir haben das in der Praxis ausprobiert und sind etwa zwei Kilometer darauf gefahren. Das war schon ein ganz einzigartiges Gefühl für uns. Erst recht, als wir die Autobahn einfach überquerten, um auf die andere Seite zu gelangen.

Am späteren Nachmittag durften wir Pedro besuchen. Er ist 82 Jahre alt und stellt (die besten) Zigarren von der Region her. Schritt für Schritt erklärte er uns die einzelnen Arbeitsabschnitte, bis zu den fertigen Zigarren.

Eigentlich sollte diese Zigarre noch etwas gelagert werden, aber wir fanden alle, dass wir sie gerne rauchen würden. Also nicht ich, sondern Erich, zusammen mit den anderen von der Gruppe. Das hat bei Erich zu Beginn etwas unbeholfen ausgesehen, aber sein Gesicht ist weder grün noch blau geworden. Einmal im Leben eine kubanische Zigarre rauchen, das musste einfach sein.

Heute gibt es im Hotel nirgends Internet. Nun ist das eingetroffen, was ich zu Beginn befürchtet habe. Eine tägliche Berichterstattung respektiv die elektronische Zustellung ist nicht immer möglich.

In San Diego de los Baños gab es, wie der Name es schon fast verrät, ein Thermalbad sowie einige Hotels. Nun ist leider alles am Zerfallen, das Geld fehlt und vor allem aber auch die Touristen.

Blick auf Havanna
Mit Pedro eine Zigarre rauchen, das muss sein!

Nationalpark La Güira

2. November 2025

Diese Nacht war schon etwas ungewöhnlich. Kuba beendete erst jetzt die Sommerzeit. Es wäre eigentlich schön gewesen, eine volle Stunde länger schlafen zu können, vorausgesetzt, die Kubaner hätten die gleiche Idee gehabt. Aber nein, sie nutzten diese eine Stunde, für längeres Aufbleiben und Feiern in der Discothek. Einerseits liegt unser Hotel gleich um die Ecke und andererseits gibt es keine schalldichten Wände. Mit anderen Worten, an einen geruhsamen Schlaf mit Zusatzbonus war nicht zu denken. Trotz wenig Schlaf haben wir uns auf die nächste Tagesetappe gefreut.

Die Route führt uns durch den Nationalpark La Güira. Unterwegs suchen wir die Höhle auf, welche für Che Guevara im Oktober 1962 Rückzugsort war und dort auch wichtige Entscheidungen getroffen wurden. Stellt euch vor, ich durfte am selben Tisch sitzen wie einst er es tat.

Heute war die Strasse in einem noch viel schlimmeren Zustand als gestern. Ich frage mich, wie wohl diese Strasse in ein paar Jahren aussehen wird.

Für das Mittagessen lassen wir uns wieder von einer Familie auf dem Land bekochen. Sie gaben sich grosse Mühe und  das Essen schmeckte wunderbar. Wir sind uns einig, dass wir unsere Devisen (Dollar oder Euros) besser der Bevölkerung zukommen lassen statt dem Staat.

Nachdem wir einen ganzen Tag durch eine wunderschöne Landschaft biken konnten und wegen der anstrengenden Route total müde und verschwitzt waren, freuten wir uns auf eine erfrischende Dusche.

Doch für einige Biker war die Staubabspülung leider nur ein Wunschdenken. In manchen Zimmern hat es vorübergehend kein Wasser gegeben.
Blick auf Havanna
Wunderschönes Viñales-Tal

Landleben

3. November 2025

Irgendwie klappt es einfach noch nicht so ganz mit meinem Zeitmanagement. So musste ich doch tatsächlich feststellen, dass eine solche Reise zwar sehr schön und interessant ist, aber auch sehr anstrengend. Damit meine ich natürlich nicht das Radfahren, denn das übernimmt ja Erich – ich bin einfach nur der Beisitzer. Nein, mir fehlt manchmal die Ruhezeit. Sich hinsetzen, sich Gedanken machen und dann noch einen Bericht verfassen, das wäre eigentlich mein Wunschgedanke. Komme ich dann endlich zum wohlverdienten Schlaf, werde ich von unerzogenen nachtruhestörenden Hunden wieder aufgeweckt. So; genug gejammert, denn heute darf ich wieder über einen wunderbaren Ausflug schreiben.

Wir radeln total in die «Pampa», sprich, die Strasse endet dann irgendeinmal im Nichts. Waren es vorher die endlosen Schlaglöcher auf der Strasse, haben sich diese nun zu endlosen Schlammlöcher verwandelt.

Unser Ziel war wieder eine Familie, welche für uns extra ein Mittagessen zubereitete. Der Chef, ich nenne ihn jetzt mal Don Juan, stellt sich schon seit vielen Jahren für diese Gastfreundschaft zur Verfügung. Don Juan ist 83 Jahre alt und hat zusammen mit seinen Angehörigen für uns ein ganzes Schwein grilliert. Don Juan ist für Bike Adventure Tours eine besondere Persönlichkeit. Bis zu unserer Ankunft benötigt er drei bis vier Tage für all die Vorbereitungen, sprich ein Schwein kaufen, schlachten und bereitstellen. Als Dankeschön erhält er nebst der Entlöhnung auch noch zwei Flaschen Rum. Es dauerte nicht lange, bis die eine Flasche schon komplett leer getrunken war…. Und selbst dann war er noch fähig, begleitet auf seiner Gitarre ein paar Lieder vorzutragen. Vor dem grossen Festschmaus nutzen wir ein erfrischendes Bad gleich im Waldbach nebenan.

Blick auf Havanna
Herausfordernde Bikestrecke durch Schlammlöcher

Zurück nach Havanna

4. November 2025

Bevor wir zwei Stunden mit dem Bus zurück nach Havanna fahren, radeln wir mit den Fahrrädern zirka 30 Kilometer bis zur Autobahneinfahrt. Unterwegs hat Erich eine Schule entdeckt  und fragt kurzerhand, ob er diese besuchen  dürfe. Nach der Einwilligung der Hauptschullehrerin durften wir ins Zimmer eintreten, mit den Schülern ein paar Worte wechseln und sogar fotografieren.

Alle unsere Fahrräder mussten unten im Bus verstaut werden. Das ist logistisch gar nicht so einfach, sind es doch 19 Fahrräder, welche darin Platz finden müssen.

Schon nach wenigen Minuten Busfahrt wechselt der Chauffeur auf die andere Strassenseite – quer über die Autobahn – um im gegenüberliegenden Restaurant einen Kaffee trinken zu können. (Wir natürlich auch).

Ja, da wurde es im Gegensatz zu gestern wieder so richtig touristisch. Shoppingläden und Souvenirverkäufer wollten uns dies und jenes verkaufen. Einige von unserer Gruppe fanden, Erich solle doch unbedingt für mich etwas vom Angebot kaufen. Ich glaube, inzwischen haben mich einige ein ganz klein wenig ins Herz geschlossen. Leider blieb Erich pickelhart. «Solche Staubfänger kommen bei mir nicht ins Haus»! Ja, das waren harte Worte für mich. Ich bin gespannt, ob das dann bis zum Ende der Reise auch für ihn Gültigkeit hat.

Kaum waren wir in Havanna angekommen und frisch geduscht, ging das heutige Programm schon wieder weiter. Wir wurden mit vielen interessanten Informationen durch die Altstadt geführt. Der touristische Teil wirkt sehr gepflegt und sauber. Sobald man aber um die Ecke schaut, sieht die Situation prekär aus. Vieles ist vergammelt und zerfällt.

Es gibt in ganz Kuba fast keine Touristen mehr. Zum einen Teil hat die Coronazeit dazu beigetragen. Im Hafen von Havanna legen auch keine Kreuzfahrtschiffe mehr an. Amerika hat eine neue Auflage verordnet: Jedes Schiff, welches in Kuba anlegt, darf nie mehr nach Amerika. Das hat natürlich alle Reedereien davon abgehalten, in Kuba einen Zwischenstopp einzulegen. Zudem sind die Zustände, wie das häufige Fehlen von Strom und Wasser, sicher auch ein Grund für das Fernbleiben.

Wir sind bis am Abend in der Altstadt geblieben. Zuerst fanden wir für einen Apéro eine ganz tolle Bar. Im Namen von Erich durfte ich die Getränke sponsern. Oh, wie doch alle Freude daran hatten. Ich wurde gelobt und so könnte ich das eigentlich fast täglich wiederholen – nur eben, es ist das Portemonnaie von Erich und er ist mit dieser Idee gar nicht einverstanden.

Weil wir zeitlich noch zu früh am Ort des vorreservierte Restaurant waren, gab es auf einem Platz einen zweiten Apéro. Es war schön, im Eindunkeln der Nacht dem Treiben auf dem Platz zuzuschauen. Kinder spielten Fussball, andere schlenderten gemütlich daher und Musikanten spielten auf diversen Instrumenten.

Blick auf Havanna
Typischer Oldtimer in Havanna

Warten

5. November 2025

Früh aufstehen ist ja richtig schön, wenn man ein Ziel vor Augen hat. So auch heute! Um 4.30 Uhr, noch stockdunkel, wurde ich aus dem Schlafsack gerüttelt. Dabei hätte ich noch viel Zeit gehabt, schliesslich muss ich ja nicht duschen, Zähne putzen und oder packen.

Einen ersten Kaffee gab es unten in der Lobby, danach hiess es warten auf unseren Bus. Ja, und wir warten immer noch; 8.00 Uhr. Was ist geschehen? Seit 3.00 Uhr steht unser Bus an einer Tankstelle und wartet auf Benzin. Somit wissen wir gar nicht, ob und wann die Reise weitergehen wird. Ob wir heute wohl noch unser Ziel, das Meer, erreichen werden?

Was macht man in dieser Wartezeit? Geduld haben oder die nähere Umgebung auskundschaften? Erich entdeckt gleich nebenan eine noch geschlossene Gallery, bewacht von einem Securitas. Einmal mehr schaffte es Erich, auch dort Einlass zu finden.

Blick auf Havanna
Begegnung unterwegs

Erneuter Stadtrundgang

Das Tagesprogramm ist etwas aus dem Rahmen geraten – der vorgesehene Strandtag fällt aus. Also ich finde, wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs gewesen wären und kräftig in die Pedalen getreten hätten, wären wir nicht auf den Sprit angewiesen gewesen.

Des langen Wartens müde geworden, begaben wir uns erneut in die Altstadt. Unglaublich, was es da immer wieder Neues zu entdecken gab.

10.30 Uhr: Der Chauffeur ist mit Bus und Sprit zurück und wir  werden die nächsten fünf Stunden darin die Fahrzeit absitzen. Literweise sei der Sprit von verschiedenen Bussen auf unser Gefährt umgezapft worden. Es folgte eine lange Fahrt, fast alles über eine «Autobahn».

Bei einem Zwischenhalt bei einem Autobahnrestaurant wollte Erich die Strasse unbedingt nochmals zu Fuss überqueren und ich natürlich auch – ganz alleine. Nein, gefährlich war es überhaupt nicht. Mich hätte ein allfälliges Fahrzeug vermutlich einfach zwischen die Räder genommen.

Unterwegs ergab sich die Möglichkeit, an einer Zapfstelle GENAU 20 Liter Sprit nachzutanken, natürlich nur mittels einer Genehmigung.

Ende gut, alle gut, wir sind angekommen. Endlich beim Meer, hat es gerade  noch für ein Mondaufgangsbad gereicht.

Jetzt freuen wir uns auf das Abendbuffet (wenn wir schon das Mittagsbuffet verpasst haben).

Blick auf Havanna
Cayo Santa Maria

Geocaching, Drachen, Biken

Trotz reichlichem Alkoholkonsum gestern Abend (war ja schliesslich alles «all inklusive») ist Erich heute ohne Wecker aufgewacht. Er wollte früh aus den Federn, da er noch ein Projekt in Aussicht hatte.

Wie könnte es anders sein, als dass er sich auf die Suche nach einem Geocache machen wollte. Sicherheitshalber durfte ich dabei sein, schliesslich bringe ich schon viel Erfahrung mit; und vier Augen sehen definitiv mehr. Da das Navigieren wegen fehlendem Internet nicht möglich war, musste sich Erich den Weg gut einprägen und konnte sich nur das Spoilerbild und den Hinweistipp zu Hilfe nehmen.

Der Weg zum «Lost Place at Cayo Santa Maria» war spannend. Er führte uns alles dem Strand entlang mit einem Zwischenstopp auf eine Aussichtsplattform, von wo wir Pelikane beobachteten, welche gerade ihren «Zmorgen» fischten. Vor Ort angekommen, kam dann Erich schon etwas ins «grübeln». Wo im Himmel ist denn bei dieser einsam verwaist und verlassenen Busstation ein Cache versteckt? Der Hinweis «oben» half uns nicht weiter. Zwei Meter die Betonsäule raufklettern, das überstieg definitiv unsere Fähigkeit. Aber warum auch in die Ferne schweifen, wenn der Cache so nah lieg? Ich entdeckte einen kleinen Stein, liegend über einem anderen grossen Stein. Das könnte ein Zeichen sein. Und siehe da, unten in einem Steinloch (oder eben oben im Stein) befand sich das Versteck.

Nach stolzer getaner Arbeit gingen wir zurück, direkt zum Zmorgenbuffet. Bis und mit 12 Uhr dürfen wir im Zimmer bleiben, also blieben noch ein paar Stunden übrig für die Beach. 

Als Erstes packte Erich zum Erstaunen von vielen Gästen seinen Eddybogen aus und brachte somit etwas zusätzliche Farbe in den blauen Himmel. Erich wurde sogar gefragt, ob da eine Party stattfinden würde.

Bevor der Eddybogen aus zeitlichen Gründen wieder zusammengeräumt werden musste, gab es erneut eine kurze Abkühlung im angenehm warmen Meer (natürlich nur für Erich, ich hatte meine «Schimmflügeli» nicht dabei).

Ach ja, bevor ich es vergesse: Die Kubafehl-oder Mangelliste kann erweitert werden. Die Strandbadetücher sind auf dem Festland stecken geblieben, konnten also auch mit separatem Coupon nicht bezogen werden.

Am frühen Nachmittag biken wir zurück aufs Festland. Das war etwas langweilig und auch anstrengend. Da sind mir unterdessen die vielen Strasserlöcher schon viel lieber als eine 45 Kilometer schnurgerade Damm-Strasse. Zum Glück hatten wir ein wenig Rückenwind.

Blick auf Havanna
Der Drachen fliegt...

Off Road

7. November 2025

Wir konnten nicht mit einem Vogelkonzert einschlafen, da wir eindeutig zu spät ins Bett gingen. Aber am Morgen in der Früh wurden wir ganz sanft vom Gezwitscher aufgeweckt. Die vielen Vogelstimmen konnten sogar fast den Stromgenerator überstimmen, welcher ununterbrochen in Betrieb war. Wir haben in einem alten ehrwürdigen Hotel übernachtet. Die Zimmer haben keine Fenster auf die Strasse, sondern nur in den Innenhof, welcher voll begrünt ist. Anscheinend treffen sich dort jeweils die Vögel für ihre intensiven Diskussionen.

Ein erster Blick nach draussen zeigte, dass es hier auch einmal nass werden kann. Bis anhin hatten wir eigentlich meistens nur Sonnenschein.

So auch heute wieder. Wir fuhren mit den Fahrrädern zum Mittelpunkt von Kuba, welcher in Guaracabulla liegt. Der Ort ist eigentlich nicht spektakulär. Wir nutzten dort einfach die Gelegenheit, eine Pause einzulegen, um die mitgebrachten Sandwiches zu essen. Ein aufmerksamer Kubaner (später noch ein zweiter) witterte sofort die Chance. Als er uns sah, marschierte er zielstrebig auf den Park zu und setzte sich auf eine Bank. Recht hatte er ja – und auch Erfolg. Unsere Sandwiches waren sehr trocken, was zur Folge hatte, dass wir sie ihm gerne übergaben. Herzhaft verschlang er drei oder mehr davon. Ich denke, für die nächsten paar Stunden wird er satt sein.

Weiter ging es zum Denkmal von Che, dem Che Guevara Memorial. Der Weg dorthin war gar nicht so einfach. Ein grosser Teil des Weges führte uns durch «off road» mit vielen Pfützen und Schlamm. Das war manchmal eine kleine Herausforderung. Der eine oder andere hat dann doch einen Schuh voll Schlamm herausziehen müssen. Wie die Fahrräder aussehen, darüber will ich gar nicht schreiben.

Beim Che Guevara Memorial gibt es ein Mausoleum, aber da der Strom fehlt, ist alles geschlossen. Der Platz ist riesig gross, ebenso das Memorial. Auf einer Steintafel hat man den Brief reproduziert, welcher Che an Fidel geschrieben hat, als er sich von allem in Kuba verabschiedete, bevor er das Land verliess.

Alex, unser Guide, erzählt uns, dass er als Kind Che bewundert hat – das wurde auch in der Schule so eingetrichtert. Aber nach und nach schlug der Zeiger der Sympathie auf die Gegenseite um. Zu viele Menschen mussten unter seiner Zeit Opfer bringen und er führte das Land wirtschaftlich in ein Desaster. Man ist auch nicht so ganz sicher, ob Ches berühmter Abschiedsbrief mit all seinen Lobeshymnen nicht etwa von Fidel selbst verfasst worden war.

Blick auf Havanna
Die einen mit 1 PS, die anderen mit 2 Rädern

Erste Bergetappe

8. November 2025

Gestern hat Erich freiwillig auf sein Abendessen verzichtet, und das, ohne mich zu fragen. Ich war schon etwas enttäuscht, wäre doch ein grosses Hühnerbein auf dem Teller serviert worden. Doch irgendwie habe ich es aber auch verstanden. Im gar nicht so grossen Essraum war der Lärmpegel schon mit nur halber Belegung derart hoch, dass es einfach unaushaltbar war.

Statt zu essen, verzog er sich ins Zimmer. Oben angekommen, gab es dann eben nur etwas Trockenfutter aus dem Koffer. Ich nutzte die Gelegenheit, den Tagesbericht zu schreiben und hatte sogar Glück mit der Internetverbindung.

Bevor wir wieder auf unser Bike steigen, fahren wir etwa 40 Kilometer mit dem Bus weiter. Beim Einsteigen fragte uns ein alter Mann nach Seife. Ja klar, die haben wir. Erich sammelt in den Hotels jeweils alles Seifenmaterial zusammen, um eben das den Leuten draussen verschenken zu können. Der Mann hatte so Freude, dass er sich gerne von uns abfotografieren lassen wollte.         

Unterwegs fahren wir immer wieder an grossen Zuckerrohrfeldern vorbei. Auf Kuba gibt es nur noch sechs aktive Zuckerrohrfabriken. Gerne hätte ich eine alte, stillgelegte Fabrik aufgesucht, aber das ist vom Staat her strengstens verboten. (Spionagegefahr?) Früher war Kuba die Nummer eins bezüglich Zucker. Jetzt muss das Land Zucker importieren, vor allem für die Rumproduktion.

Für die Mittagspause machten wir einen Halt in einem kleinen Zoo – integriert in einen Kinderspielplatz – oder umgekehrt. Wie so oft, stellt man sich einen solchen Ort etwas anders vor.

Auf dem Gelände hat es zwar viele Spielgeräte, aber es sieht so aus, als wäre man in einer Geisterstadt. Und die Tiere? Ein einziger Affe muss noch einsam und verlassen in einem eintönigen Käfig ausharren. Ich hatte wirklich Mitleid mit ihm. Alle anderen Gehege sind verwaist.

Kurz bevor wir weiterfahren wollten, brach ein Gewitter über uns her. Spontan fanden wir ganz in der Nähe einen kleinen Verkaufsladen, wo für uns Kaffee zubereitet wurde. Es kostete zwar ein Vermögen, ganze 4 Rappen!…

Der Kaffee wurde in abgeschnittenen Flaschen serviert. Erich bekam ein «déjà vu», hatte er doch früher auch schon aus Flaschen Gläser hergestellt.

Heute übernachten wir in einem Hotel mit direktem Blick auf den See.

Die Fehlliste kann übrigens noch etwas erweitert werden. Hier hat es kein Bier und an der Bar auch keinen Rum.

Blick auf Havanna
Kubanisches Landleben

Über den See und über den Pass bis nach Trinidad

9. November 2025

Ich stand früh am Morgen auf dem Balkon und schaute dem kommenden Tag entgegen. Viel stand heute auf dem Tagesprogramm.

Als erstes war eine Bootsfahrt angesagt. Wir überquerten der Länge nach den Hanabanilla-See. Der See ist sehr fischreich, ein Fischer zeigte uns gestern seinen Tagesfang. Der See hat übrigens Ähnlichkeit mit dem Vierwaldstättersee, welcher auch so viele Arme hat.

Danach war Radeln angesagt – und wie! 900 Höhenmeter mussten bewältigt werden. Die verkehrsarme Strasse führte uns Kurve um Kurve hinauf bis zum Pass. Natürlich gab es ab und zu einen Halt zum Verschnaufen.

Und jetzt komme ich wieder einmal ins Spiel, respektive ins Gespräch. Erich wird immer wieder gefragt: «Wo ist denn die Stine? Willst du nicht ein Foto von ihr machen, da oder dort?» Das ist natürlich für mich ein schönes Gefühl, dass ich unterdessen von ganz vielen Mitreisenden miteinbezogen werde. Das war nicht von Anfang an so. Erich wurde oft belächelt und sie gestanden ihm, dass sie das ganze Gehabe «Erich mit Stine» etwas seltsam fanden.

Lisi hat mir sogar ein Gedicht vorgetragen, welches ich euch nicht vorenthalten möchte.

Ich schlaf nicht gern in weichen Daunen

statt des Walde Märchenraunen

hör ich im Schlaf die kleinen

gerupften Gänse bitter weinen.

Sie kommen an mein Bett und stöhnen

und klappern laut mit ihren Zähnen

und dieses Klappern klingt so schaurig,

wenn ich erwache, bin ich traurig.

Ich musste dann Lisi allerdings schon sagen, dass ich denn keine Gans sei…..

Total verschwitzt auf dem Pass angekommen, freuten wir uns alle auf die rasante Abfahrt bis nach Trinidad.

So verschwitzt und nass wie wir waren, steuerten wir als erstes im Zentrum der Altstadt eine Bar an. Erst nach dieser Belohnung wurde die ganze Gruppe auf verschiedene Wohnungen verteilt.

Am Abend gingen wir nochmals zurück zum Platz, um der Musik zuzuhören. Irgendwie hatten wir mehr «Herzblut» von den Musikanten erwartet. Das war denn auch der Grund, dass wir schon nach einer halben Stunde wieder im Dunkeln zum Zimmer zurückkehrten. Die Stadt wirkt ohne Licht fast geisterhaft, nur ganz wenige Lichter, welche mit Batterie oder Generatoren betrieben werden, zeigten den Weg zurück zum Haus. Man musste auch wirklich gut aufpassen, im Dunkeln nicht zu stolpern. Alle Strasse sind aus grossen unebenen Steinbollen gemacht.

Wir haben einen typischen Drink kennengelernt. Er heisst: Canchanchara und beinhaltet Zuckerrohrschnaps, Limone, Eis und Honig. Das war echt gut.

Blick auf Havanna
Hanabanilla See

Strandtag

10. November 2025

Heute sollte der Tag etwas gemütlicher werden. Bevor wir uns aufs Fahrrad schwingen, besuchen wir zuerst eine Töpferei sowie das Valle de los Ingenios, das Tal der vielen Zuckermühlen (einst). Es wurde früher ganz viel Zuckerrohr angepflanzt, dementsprechend gab es auch die vielen Zuckermühlen. Hier mussten vor allem Sklaven die mühsame Arbeit verrichten. Um die Sklaven unter Kontrolle zu haben, baute man einen 45 Meter hohen Wachturm. Der Torre de Iznaga, oder der Sklaventurm genannt, konnte das riesige Anwesen Manaca Iznaga überwachen.

Normalerweise darf man dort hochsteigen, jetzt aber sei er in Revision. Dafür durften wir mit einer alten Zuckermühle selber Zuckerrohr auspressen und dessen süssen Saft trinken. Es benötigte vier Personen, um das Mahlwerk in Bewegung zu setzen.

Gestärkt durch den Saft (für die einen angereichert mit Rum) radeln wir zum Meer und geniessen einige Stunden einfach mit «nichts tun». Baden – Trinken – Essen –  und wieder Baden. Vor unserer Weiterreise musste natürlich noch die Rechnung vom Essen bezahlt werden. Das war eine ganz spezielle Prozedur, vor allem eine lange. Es benötigte fast eine halbe Stunde, um den Geldbetrag abzuzählen. Die grösste Note hat einen Wert von 1000 Pesos, was einen Wert von etwa zwei Franken hat. Am häufigsten wird aber die 200-er Note benutzt…

Heute bin ich etwas eifersüchtig geworden. Erich liess sich doch tatsächlich zwei Wanderfalken auf die Hand und Schulter setzen. Und dafür hatte er auch noch einen Geldbetrag bezahlt. Also sitze ich ja auch oft auf seine Schulter, aber dafür habe ich noch nie einen Peso erhalten.

Blick auf Havanna
Apero in geselliger Runde

Windig

11. November 2025

Ein ständiges «Tschädere» über und neben dem Zimmer lässt uns schon früh aufwachen. Als ich nachschauen ging, stellte ich fest, dass es NUR der Wind war, der uns aus dem Schlaf gerissen hatte. Dazu kam noch der mobile Fahrradbäcker mit seiner Trillerpfeife, welcher nach Kundschaft suchte.

Der Wind verfolgte uns heute den ganzen Tag. Sehr heftig, und natürlich von der falschen Seite…

Wir radeln bis «Jardín Botánico de Cienfuegos». Die Anlage ist sehr gross und wir konnten nur einen kleinen Teil davon besichtigen. Faszinierend natürlich waren einmal mehr die vielen grossen Bambusröhren. Durch den starken Wind gab es ganz tolle akustische Töne, besonders, wenn man dann noch das Ohr direkt darauf hielt. Also Erich und ich hatten Spass an diesem Park. Die Bilder sprechen für sich…

In Cienfuegos angekommen, suchten wir als erstes das Palacio de Valle auf und genehmigten uns den wohlverdienten Apéro. Auf der Terrasse, mit Blick auf die grosse Lagune, hörten wir dem Sänger und Gitarrenspieler zu.

Unsere Unterkunft liegt ganz in der Nähe. Leider hat der Wind nicht nachgelassen und leider wurde das Abendessen draussen auf einer Terrasse serviert. Eigentlich schön, nur war es ungewohnt, so dick eingepackt in Pullover und Jacke dasitzen zu müssen. Ein abschliessender Rum brachte ganz klein wenig Wärme in die Füsse. Natürlich nur für Erich, ich musste einmal mehr zusehen…

Nachtragend muss ich euch noch erzählen, dass ich heute an einer Busstation zum ersten Mal einen Kampfhahn gesehen habe. Der hat eigentlich gar nicht so wild ausgesehen. Für die Reise wurden ihm die Beine zusammengebunden und danach wurde er in eine Hülle eingewickelt. Man konnte gerade noch vorne den Kopf und hinten die Füsse sehen.
Blick auf Havanna
Kubanischer Musiker

Ausrolltour

12. November 2025

Bevor wir Cienfuegos verlassen, besuchen wir noch den grossen Platz im Zentrum. Diese Stadt wurde einst von den Franzosen gegründet, dementsprechend sind die Gebäude meistens nur mit französischen Materialien gebaut worden. Dank dem Zuckerrohr wurde diese Stadt sehr reich. Das endete, als in Europa die Zuckerrüben angepflanzt wurden.

Neben einer Zementfabrik und einer Raffinerie steht hier in Kuba das einzige Atomkraftwerk, welches aber nie in Betrieb genommen wurde. Erich konnte diese Nacht nicht gut schlafen. Oft musste er ein «stilles Örtchen» aufsuchen, manchmal auch ein «dunkles Örtchen», da immer mal wieder der Strom weg blieb. Nur mit etwas trockenem Brot und Tee im Magen fuhren wir mit dem Bus zurück Richtung Havanna.

Bei der Autobahnraststätte legen wir einen Zwischenhalt ein. Nach Kaffee, Tee, sowie Toilettenbesuche, fuhren wir weiter. Plötzlich tauchte die Frage auf: «Wo ist Ruedi?» Anscheinend konnte er sich von einem angeregten Gespräch nicht losreissen und hatte zu spät festgestellt, dass er eigentlich hätte einsteigen müssen. Um den «verlorenen Sohn» schnellstmöglich wieder einsammeln zu können, kann/darf man zum Glück auf der Autobahn überall einen U-Turn machen.

Die heutige Tour war eigentlich eine «Ausrolltour». Ein paar Kilometer Radeln brachte uns an einen schönen Aussichtsort. Weit entfernt konnte man sogar noch Havanna erkennen. Hier war einst ein Luxusrestaurant und weiter unten das entsprechende Hotel dazu. Das Hotel ist jetzt nur noch eine Bauruine. Wieder unten im Tal mussten wir uns endgültig von den Fahrrädern verabschieden. Ebenfalls verabschiedeten wir uns vom Mechaniker, welcher immer unsere Fahrräder betreut hatte. So mancher Plattfuss musste geflickt und die Fahrradkette geölt werden. Auch hatte er es immer geschafft, trotz Stromproblem unsere Batterien am Morgen jeweils wieder voll aufgeladen zu haben.
Blick auf Havanna
Plattfuss wird geflickt

Ein langer Tag

13. November 2025

Erich wacht schon wieder sehr früh auf. Also wirklich früh, und das erst noch nicht freiwillig. Enorme Kopfschmerzen waren die Ursache.

Oh je, wie wird er den heutigen Tag überstehen? Tabletten hatte er schon geschluckt, noch mehr liegt nicht drin. Er ist dann aufgestanden, etwas «umhergetigert», den Nacken massiert und irgendwann wieder eingeschlafen. Und oh Wunder, die Schmerzen waren am Morgen weg.

Das Tagesprogramm konnte beginnen. Von 10 bis fast 12 Uhr waren wir mit vier Oldtimern unterwegs.

Einen ersten Zwischenstopp gab es beim «Plaza de la Revolución», dort, wo Fidel Castro seine Reden vor tausenden Kubanern gehalten hatte. Dort konnten alle einmal das Fahrzeug wechseln. Die Oldtimer waren vom Modell, Jahrgang und Farbe ganz verschieden, genauso wie der Musikgeschmack der Driver, welche discomässig das Umfeld beschallten.

Jedes Fahrzeug hatte auch seine eigenen Tücken. Das eine musste rückwärts angestossen werden, um auf Trab zu kommen, ein anderes weist nur drei Gänge auf oder die Beifahrertür braucht Sonderbehandlung, um geöffnet zu werden. Eines aber haben alle gleich: Sie alle haben ein lautes Horn und sind einfach wunderschön zum Anschauen.

Die Zimmerschlüssel mussten wir leider schon um 12 Uhr abgeben – blöd – wo wir doch erst um 19 Uhr zum Flughafen fahren werden. Was machen wir mit der verbleibenden Zeit?

Nicht weit entfernt gibt es eine grosse Markthalle. Wer dort aber Lebensmittel sucht, ist am falschen Ort. Diese Halle ist vor allem für die Touristen gedacht.
Solange die Kreuzfahrtschiffe hier noch anlegen durften, war die Lage direkt beim Hafen natürlich sehr lukrativ. Ich schätze, dass es dort mehr als 200 Verkaufsstände hat. Das Angebot ist zwar vielseitig, aber fast jeder Stand präsentiert etwas das Gleiche: T-Shirts, Schmuck, Lederartikel und und und. Erich war dem schnell überdrüssig und flüchtete sich hinter eine Tasse Kaffee beim Eingang der Halle.

Dann startete er ein kleines Experiment. Gegenüber dem Kaffee stapelte er all seine Sachen, welche er aus dem Hotel mitgenommen hatte, wie Seifen und kleine Flaschen mit Dusch- oder Bodylotion, der Reihen nach gut sichtbar auf ein Geländer. Wie lange wird es wohl dauern, bis die weg sind? Erich wollte das fotografisch festhalten, war aber nicht schnell genug. Wie Truthahngeier, und die gibt es in Kuba unendlich viele, stürzten sich drei Leute auf die «Ausstellung». Erich setzte dem ein Ende und alles musste zurückgestellt werden. Nur für das Bild natürlich. Danach war es dann wirklich schnell weg. Zum Glück musste ich mich nicht auch noch dorthin stellen, wer weiss, wo ich dann wohl gelandet wäre.

In der oberen Etage befindet sich die Kunst-Galerie, wo Künstler ihre Bilder ausstellen und verkaufen.

Hier konnte man sich viel Zeit lassen und die grosse Vielfalt der Maltechniken bewundern. Die meisten Sujets sind selbstverständlich mit der kubanischen Kultur verknüpft. Eine Künstlerin benutzt als Hintergrund eine alte Zeitung. Darauf malt sie das Sujet – gewisse Druckbereiche sind aber immer noch zu sehen. Auf die Tageszeitung «Granma» hatte sie einen Oldimer gemalt. Als Erinnerung an diese Reise hat dann Erich tatsächlich dieses Bild gekauft. Ha ha, vor ein paar Tagen hat mir Erich noch erzählt, dass nichts gekauft wird, er keine neuen «Staubfänger» zu Hause haben wolle! Ich bin ja gespannt, an welche Wand dieses Kunstwerk zu Hause dann aufgehängt werden soll.

Mit dem neuen Souvenir unter dem Arm schlendern wir zum «Fuente de la Plaza Vieja».

Unterwegs haben wir wieder vieles gesehen, was für uns immer noch ungewohnt ist. Geht man abseits auf einer Seitenstrasse, fallen vor allem die verfallenden Häuser auf. In dem einen oder andern Haus würde ich nicht wohnen wollen, schon gar nicht auf den Balkon steigen.

In einem Innenhof konnten wir zuschauen, wie Domino gespielt wurde und staunten über deren Spielgeschwindigkeit.

Auf der Strasse entdecken wir einen «Pfannenschleifer». Mittels Stahlbürsten schafft er es tatsächlich, dass nach getaner Arbeit die Pfanne, wenn auch immer noch mit Dellen versetzt, ordentlich gut aussieht. Interessant war auch das Innenleben einer Farmacia. Eigentlich hätte man nicht fotografieren dürfen, aber Erich konnte es nicht verkneifen, ganz heimlich ein Bild von den leeren Regalen zu machen. Medikamente sind hier fast nicht erhältlich. Mit diesem Wissen haben viele von unserer Gruppe für allfällige Notfälle selber Medis aus der Schweiz mitgenommen.

Erich hat jetzt am letzten Tag seinen Vorrat an Bikeguide Gian Luca weitergegeben. Er wird es an einen Arzt weiterleiten.

Blick auf Havanna
Kunstgalerie

Wieder zu Hause

14. November 2025

So, das war es dann. Meine Arbeit ist getan, ich habe meine Beiträge abgeliefert, mal etwas ausführlicher oder dann auch etwas kürzer. Auf dieser Reise wurde ich doch ab und zu bis fast an meine Grenze gefordert. Abends nochmals einen zusammenfassenden Bericht schreiben, wenn es dann morgens ohne Ausschlafen schon wieder losging – das war nicht immer einfach. Trotzdem, verschieben auf später war nie ein Thema.

So, genug gejammert, die Reise war schön, abenteuerlich, interessant, herausfordernd, beeindruckend, lehrreich und sogar sportlich.

Erich hatte seine helle Freude daran, seine kleinen Spanischkenntnisse anzuwenden, wo immer es auch möglich war. Dank dem, dass er oft direkt auf die Leute zuging, wurden verschlossene Türen plötzlich geöffnet, wie zum Beispiel das Schulhaus oder eine Kunstgalerie.

Ich habe Erich gefragt, ob wir Kuba ein anderes Mal wieder besuchen werden. Er meinte nur: Sag niemals nie, aber er glaube eher nicht. Es gäbe noch ganz viele andere interessante Länder zu bereisen. Zu sehen und zu erleben, wie das Land Jahr für Jahr in noch grössere Schwierigkeiten gerät, das sei nicht unbedingt das, was er nochmals sehen möchte.

Die Heimreise verlief so wie geplant. Diesmal hatte nur der Anschlussflug nach Zürich etwas Verspätung. Müde und angeschlagen, wie so manche von unserer Gruppe, wäre ein Spurt zum nächsten Terminal nicht angenehm gewesen.

Auf dem Flug von Havanna nach Madrid hat Erich die Stunden rückwärts abgezählt. Sieben Stunden Bauchkrämpfe, eingeklemmt zwischen den Sitzen, das war nicht unbedingt angenehm.

Der Koffer ist ausgepackt, der Wäscheberg liegt im Keller und ich mitten obendrauf. Ich freue mich auf die Chilbi im Schongang, aber nicht auf den Schleudergang.

Blick auf Havanna
Schön wars!

Reisebericht-Autor: Stammkunde Erich Rutishauser

Infos zum Reisebericht

Geschrieben von: Erich Rutishauser

Fotograf: Erich Rutishauser
Reisejahr: 2025

Infos zur Reise

Bildbeschreibung

Kuba Clasico – Radreise im Westen der Karibikinsel